Folge 48: Juno und Julei

Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen, dass Sie einen Satz wie „Im Juli fahre ich in den Urlaub“ gesagt haben und Ihr Gegenüber dann „Juno oder Julei?“ nachgefragt hat? Oder, noch schlimmer, ihr Gegenüber sogar von sich aus den nahenden „Juno“ oder „Julei“ erwähnt hat? Nein? Dann haben Sie noch einmal Glück gehabt. Nicht alle sind so glimpflich davongekommen.

Ich hasse „Juno“ und „Julei“.

Ja, es ist natürlich suboptimal, dass sich zwei aufeinanderfolgende Monate in nur einem Laut unterscheiden. Trotzdem, dann reißt man sich halt zusammen und fragt „JuNI oder JuLI?“ und die oder der andere kann dann mit „JuNNNNNNi“ oder eben „JuLLLLLLi“ antworten. Es ist doch nett, hin und wieder die Konsonanten etwas zu stretchen, dann bleiben sie schön fit. (Vermieden werden sollte dabei jedoch ein Zusatz wie „mit N wie Norbert“ oder „mit L wie Ludwig“, das ist wirklich nur geringfügig besser als „Juno/Julei“!)

Aber ich möchte mir nicht nachsagen lassen, hier nur rumzumeckern, sondern auch konstruktiv sein. Was können wir also dagegen tun?

Vermutlich nicht viel. Aber es gibt Hoffnung. Wir müssen die Juno-Julei-Sager bestrafen, sie gesellschaftlich ausgrenzen. Eine angemessene Maßnahme wäre, die beiden Wörter einfach absichtlich vernuschelt auszusprechen, mehr so in Richtung „Ju-i“. Probieren Sie es doch mal aus! Und wichtig: Bleiben Sie auch bei mehrfacher Nachfrage standhaft und nuscheln Sie konsequent weiter! Eine noch bessere Möglichkeit wäre allerdings, ab sofort „Junei“ und „Julo“ zu sagen. Damit schlägt man nervige Juno-Julei-Sager mit den eigenen Waffen! Ein Dialog könnte dann so ablaufen:

Sie: Ich fahre im Juli in den Urlaub.
Gegenüber (forsch nachfragend): Juno oder Julei?
Sie: Julo.
[kurze Pause]
Gegenüber (zögerlich): … also Juno?
Sie: Nein, nein, doch nicht Junei.
[nicht mehr ganz so kurze Pause]
Gegenüber: Hä?
Sie: „Hä“ was? Du musst dich schon deutlich ausdrücken.

Eine andere Möglichkeit wäre, proaktiv zu sein und schon im Voraus eine Verwechslung zu vermeiden. Hierfür müssen Sie nur Folgendes tun: Halten Sie sich ab sofort immer bei der Artikulation von „Juli“ beiläufig die Nase zu. Damit signalisieren Sie, dass Sie gerade eben nicht „Juni“ gesagt haben, denn bei der Artikulation des N entweicht die Luft über die Nase, es ist ein nasaler Laut. Spricht man also „Juni“ mit zugehaltener Nase, hört es sich komisch an, ungefähr so, als sei man erkältet. Das L wird dagegen nicht nasal gebildet, mit dem Griff an die Nase markiert man somit den Unterschied zum N. Haben Sie das verstanden? Probieren Sie es doch einfach mal aus:
„Ich fahre im [beiläufiger Griff an die Nase] Juli in den Urlaub.“
Wenn dann ein zuhörender Dummbeutel nachfragt, ob nun der Juno oder der Julei gemeint sei, machen Sie mit einem kleinen Vortrag über Phonetik deutlich, dass Sie das ja bereits mit dem Griff an die Nase klar signalisiert hätten. Sie sehen: Einen Vollidioten bekämpft man am besten, indem man sich selbst wie ein Vollidiot verhält. Das dürfte Ihnen doch nicht so schwerfallen.

Ich möchte mich ja nicht selbst loben und tue das auch ganz selten, aber ich habe Ihnen, das müssen Sie zugeben, nun mehrere Möglichkeiten genannt, wie Sie Juno-Julei-Sager gesellschaftlich ausgrenzen oder gar nicht erst zur Entfaltung kommen lassen können. Worauf warten Sie dann noch? Alleine können wir nicht viel ausrichten, aber gemeinsam, ja, gemeinsam können wir es schaffen!

Folge 48: Juno und Julei

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