Folge 27: Hätte, hätte, Fahrradkette

Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen, dass Sie irgendeinen Satz mit „hätte“ formuliert haben und das dann jemand anderes mit „Hätte, hätte, Fahrradkette!“ kommentiert hat? Nein? Dann haben Sie noch einmal Glück gehabt. Nicht alle sind so glimpflich davongekommen.

Ich hasse „Hätte, hätte, Fahrradkette“.

Ja, als ich zum ersten Mal den Spruch gehört habe, musste ich wahrscheinlich auch ein bisschen schmunzeln. Naja, vielleicht auch nicht, vielleicht fand ich ihn damals schon scheiße. Das Problem ist aber, dass alle, die ihn sagen, ihn so sagen, als würden sie gerade etwas besonders Geistreiches, eine geniale Weisheit von sich geben. Und eben nicht einen ausgelaugten Spruch, den es schon seit Jahren, wenn nicht schon Jahrzehnten gibt. Spätestens seit ihn Kanzlerkandidat Peer Steinbrück 2013 in einem Interview verwendet hat, hätten wir uns höflich davon verabschieden sollen. Hätten. Denn „Hätte, hätte, Fahrradkette“ ist das genaue Gegenteil von kreativ. Es ist ein Spruch, mit dem jeglicher kreativer Gedanke zerschlagen wird, jedes Sich-die-Welt-anders-Denken kann als bloße Spinnerei abgetan werden, ohne sich genauer damit auseinandersetzen zu müssen. Ich weiß nicht, wer sich den Spruch damals ausgedacht hat, aber hätte ich eine Zeitmaschine, würde ich zu dem Augenblick zurückreisen, an dem er gerade zum „Hätte, hätte“ angesetzt hätte, und hätte ihn dann mit einem Hechtsprung zu Boden geworfen. Und wenn Sie – ja, genau: SIE! – jetzt selber am liebsten zum „Hätte, hätte“ ansetzen würden, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie Teil des Problems sind!

Aber ich möchte mir nicht nachsagen lassen, hier nur rumzumeckern, sondern auch konstruktiv sein. Was können wir also dagegen tun?

Vermutlich nicht viel. Aber es gibt Hoffnung. Einzelne Genies wie Lothar Matthäus („Wäre, wäre, Fahrradkette“) haben es vorgemacht: Man kann den Spruch zumindest ein bisschen abwandeln, damit es nicht ganz so langweilig ist. In einer mehrstündigen Recherche habe ich folgende zehn Vorschläge zusammengetragen:

Hätte, hätte, Kopfschmerztablette!
(ich sehe den dazugehörigen Aspirin-Werbespot schon vor mir)

Hätte, hätte, Damentoilette!
(wenn es dringend ist; natürlich auch in den Varianten „Herrentoilette“ und „Unisextoilette“ möglich)

Hätte, hätte, Baggerwette!
(insbesondere für Samstagabende geeignet, wenn nichts Gescheites im Fernsehen kommt)

Hätte, hätte, Feinstaub-Plakette!
(für Stinker)

Hätte, hätte, Kindertagesstätte!
(können Avantgardisten dann auch zu „Hätte, Hätte, KiTa“ verkürzen und abwarten, ob die zuhörenden Dummbeutel es verstehen)

Hätte, hätte, Kräuterbutterbaguette!
(Achtung, mangels Reims nur für erfahrene Hätte-hätte-Sager!)

Hätte, hätte, Benjamin-Blümchen-Kassette!
(für Nostalgiker; natürlich auch in den Varianten „Bibi-Blocksberg-Kassette“, „Drei-???-Kassette“ u. Ä. möglich)

Und dann noch drei Varianten mit „wäre“:

Wäre, wäre, Heidelbeere!
(je nach Geschmack natürlich auch in den Varianten „Stachelbeere“, „Preiselbeere“, „Johannisbeere“, „Holunderbeere“ etc. möglich. Nur von „Erdbeere“, „Himbeere“ und „Brombeere“ sollten Sie aus metrischen Gründen absehen, wenn Sie sich nicht lächerlich machen wollen)

Wäre, wäre, Linkshänderschere!
(für Leute wie mich)

Wäre, wäre, weniger CO2 in der Erdatmosphäre!
(eigentlich für alle)

Ich möchte mich ja nicht selbst loben und tue das auch ganz selten, aber all diese Vorschläge sind, das müssen Sie zugeben, besser als „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Na dann los! Wenn Sie also beispielsweise beim Bäcker in der Schlange stehen und der Typ vor Ihnen zum „Ich hätte gerne …“ ansetzt, schreiten Sie sofort ein und sagen „Hätte, hätte, [hier nun bitte einen der o. g. Wörter einfügen, aber nicht „Fahrradkette“]! Alleine können wir nicht viel ausrichten, aber gemeinsam, ja, gemeinsam können wir es schaffen!

Folge 27: Hätte, hätte, Fahrradkette

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