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Ich mag sowohl Bücher, Comics als auch Filme (inkl. Serien) und würde keins dieser Medien über oder unter die anderen stellen. Hier liste ich eine bunte Mischung ausgewählter Sachen auf, die ich in letzter Zeit gelesen oder gesehen habe und die ich, wenn auch manchmal mit Einschränkungen, weiterempfehlen würde. Dazu ein kurzer, ein paar Zeilen umfassender Kommentar.

2020:

  • The Peanut Butter Falcon (Tyler Nilson & Michael Schwartz): Junge mit Down-Syndrom reißt aus Seniorenheim aus, um seinen Traum zu verwirklichen: Wrestler werden! Okay, es ist ein sehr generischer Film, aber halt ein Genre, das ich einfach mag. Viele schöne, humorvolle Szenen, warmherzige Figuren… und gegen Ende doch noch ein ganz bisschen unkonventionell.
  • Nachts im Paradies (Frank Schmolke): Erlebnisse eines Münchner Taxifahrers zur Wiesn-Zeit. Wer das Oktoberfest in diesem Jahr genauso sehr vermisst wie ich (also gar nicht), sollte diesen Comic lesen, der meine Empathie für Taxifahrer definitiv erhöht hat (der Autor hat selbst sporadisch als „Taxler“ gearbeitet). Schon auf den ersten Seiten ekelt man sich vor den Leuten. Dann entspinnt sich eine starke, mitreißende Geschichte, großartig gezeichnet.
  • Sofies Welt (Jostein Gaarder): Mischung aus Sachbuch und Roman, Einführung in die Philosophie. Und als solche meiner Meinung nach gut gelungen. Ob es die jugendliche Zielgruppe so gut erreicht hat, ist fraglich, als Erwachsener kann man es jedenfalls sehr gut auch häppchenweise über einen längeren Zeitraum lesen. Und für Freunde des Metafiktionalen wie mich ist das Ende natürlich ein Fest.
  • Der große Indienschwindel (Alain Ayroles & Juanjo Guarnido): Windiger Typ aus Spanien kommt in der neuen Welt an, erzählt dort von seiner Suche nach El Dorado. Ich muss gestehen: Nachdem ich die ersten paar Seiten gelesen hatte, habe ich sie erst einmal eine Weile beiseitegelegt. Sie kommt also ein bisschen schwer in die Gänge, mit zunehmender Dauer habe ich dann aber verstanden, warum nicht wenige Leute diese Graphic Novel zu den besten des Jahres 2019 zählen: Großartig und doppelbödig erzählt, viele humorvolle Momente, sehr atmosphärische dargestellt durch die Zeichnungen.
  • Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (David Dobkin): Will Ferrell und Rachel McAdams vertreten Island beim ESC… Auch wenn ich jetzt nicht der allergrößte ESC-Fan bin, ist mir dieser Quatsch-Wettbewerb sehr sympathisch. Und genau das ist auch das passende Adjektiv für diese schöne Hommage. Es gibt viele schräge und lustige Momente (wenngleich mir viele Gesangseinlagen sehr realistisch erscheinen), aber auch eine funktionierende Story. Eine Form des Kitsches, die ich sehr mag. Jaja Ding Dong.
  • Unbelievable: Eine Jugendliche wird vergewaltigt, durch Druck der Polizei gibt sie aber später an, alles nur erfunden zu haben. Jahre später tun sich zwei Kommissarinnen zusammen, um einen Serienvergewaltiger dingfest zu machen. Basierend auf wahren Begebenheiten, wie in diesem Artikel festgehalten. Anders als „Unorthodox“ eher langsam erzählt, vielleicht wäre man hier auch mit sechs oder sieben statt acht Folgen ausgekommen. Nichtsdestotrotz eine berührende Geschichte, bei der es um die Perspektive der Opfer geht, nicht die der Täter. Der Ermittlungs-Plot ist eher konventionell, hat mich aber trotzdem mitgenommen, gerade die Beziehung der zwei Kommissarinnen untereinander.
  • Der Report der Magd (Margaret Atwood): Ich-Erzählerin über ihre Erfahrungen in einer frauenverachtenden Diktatur. Ich wollte mal etwas von Atwood lesen und das scheint ihr bekanntester Roman zu sein (auch aufgrund der dazugehörigen Serie, die ich aber nicht kenne). Dystopische Geschichten reizen mich sowieso und die Welt, die hier konstruiert wird, erscheint mir leider nicht so unplausibel und die Art und Weise, wie sie konstruiert wird, ist wohl die große Stärke des Buches. Andere Perspektiven wäre zwar auch interessant gewesen, es ist aber konsequent, dass nur aus der Ich-Perspektiver erzählt wird (Nachwort ausgenommen).
  • Life, Animated (Roger Ross Williams): Eine rührende Dokumentation über einen autistischen Jungen, der ein großer Disney-Fan ist. Vor allem die erste Hälfte ist wirklich toll. Eine Geschichte, die zeigt, wie viel Kraft in Filmen steckt! Mich hätten noch mehr Details interessiert, wie die Kommunikation mit seiner Familie konkret mithilfe der Disney-Filme abgelaufen ist. Die gegenwärtige Erzählebene (der mittlerweile 23-jährige Junge zieht von daheim aus und wird von seinen Eltern unabhängig) ist zwar auch interessant, fühlt sich in manchen Momenten für mich aber nicht so authentisch an.
  • Unorthodox: Eine Frau haut aus einer ultra-orthodoxen jiddischen Gemeinschaft nach Berlin ab, ihr Ehemann will sie zurückholen. Diese Miniserie umfasst nur vier Folgen und ist sehr schnell erzählt, was ich grundsätzlich mag, auch wenn es an manchen Stellen vielleicht etwas zu schnell geht. Allein schon aus sprachlicher Sicht finde ich die Serie sehr interessant, denn es wird sehr viel Jiddisch geredet. Getragen wird sie vor allem aber von der unglaublichen guten Performance der Hauptdarstellerin Shira Haas. (Leider habe ich das zugrundeliegende Buch von Deborah Feldman noch nicht gelesen, aber die Serie hat mir jedenfalls Lust darauf gemacht, auch wenn sie sich offenbar nur lose daran orientiert hat.)
  • Philomena (Stephen Frears): Alte Frau sucht nach ihrem Sohn, zusammen mit einem Journalisten. Basierend auf einer wahren Geschichte. Hatte diesen Film lange auf der Watchlist, habe ihn aber wohl deshalb nie angeschaut, weil ich dachte, er sei ein bisschen sperrig. Trotz des Themas (und der damit verbundenen aufsteigenden Wut auf die katholische Kirche) ist er aber eigentlich ziemlich kurzweilig und auch unterhaltsam. Die Dynamik zwischen den beiden unterschiedlichen Hauptfiguren hat mir sehr gut gefallen und vor allem Judi Dench spielt es großartig.
  • Cinderella (Kenneth Branagh): An den immer zahlreicher werdenden Realfilm-Remakes von Disney-Zeichentrickklassiker bin ich normalerweise eher weniger interessiert, hier erschien es mir aber sinnvoller als bei den meisten anderen. Insgesamt zwar relativ eng am Original, aber an den passenden Stellen mit den nötigen Modernisierungen. Vor allem über den Prinzen und auch über die Stiefmutter erfährt man nun etwas mehr. Nur die Tier-Szenen sind erwartungsgemäß weniger charmant als im Zeichentrickfilm.
  • Feivel, der Mauswanderer (Don Bluth): Jüdische Mäusefamilie wandert in die USA aus, auf dem Schiff geht aber der Sohn verloren, der dadurch allein in New York ankommt und nach seiner Familie sucht. Schöner Film! Nicht von Disney, jedoch von einem ehemaligen Animator des Studios. Das merkt man auch: Gut animiert, teilweise mit ähnlichem Flair, wenn auch insgesamt düsterer. Die Gesangseinlagen fand ich weniger stark.
  • I, Tonya (Craig Gillespie): Das Leben der aus schwierigen Verhältnissen stammenden Eiskunstläuferin Tonya Harding. Und die Frage, ob sie hinter einer Attacke auf ihre Konkurrentin steckt. Flott erzähltes Biopic, witziger als ich dachte. Ich wusste fast gar nichts darüber und es ist definitiv einer der Filme, nach denen man den einen oder anderen Wikipedia-Artikel aufruft. Durch die brüchige, multiperspektivische Erzählweise im Doku-Stil schafft es der Film, die Unzuverlässigkeit des Geschilderten abzubilden und sich wohl gerade dadurch authentisch anzufühlen.
  • Das Leben ist eins der Härtesten (Giulia Becker): Kaum gescheit zusammenfassbar, im Mittelpunkt steht aber die gutmütige Silke und ein spontaner, nicht durchweg reibungslos verlaufender Road-Trip mit ihrer Nachbarin und zwei Freunden. Nach „Ein wenig Leben“ genau das Richtige. Unterhaltsam, aber nicht seicht. Am Anfang dachte ich, es könnte ein bisschen eintönig werden, weil die meisten Figuren entweder als Dödel oder als Unsympathen oder beides eingeführt werden, aber mit dem Fortschreiten der Handlung entfaltet sich irgendwie eine skurrile Art der Herzlichkeit, die ich sehr mochte.
  • Tüti (Dominik Wendland): Ein Comic, dessen Protagonistin eine lächelnde, scheinbar unkontrolliert im Wind umherflatternde, aber dennoch erstaunlich einflussreiche Plastiktüte ist? Das klingt wie für mich geschaffen. Ok, man hat den 14 € teuren Comic in rund 20 Minuten gelesen, aber so darf man eigentlich nicht rechnen. Absurde Idee, konsequent durchgezogen.
  • Gladiator (Ridley Scott): Römischer Feldherr wird vom Kaiser zum Nachfolger erkoren, der Sohn des Kaisers beansprucht das Amt aber für sich und lässt seine Familie umbringen. Er selbst überlebt, wird zum Gladiator, gelangt ins Kolosseum und will Rache. War wohl über zehn Jahre her, dass ich den zuletzt angeschaut hab. Auch wenn ich ihn wohl weniger mitreißend fand als damals, bleibt es ein klassisch erzählter, gut gemachter Monumentalfilm. Mit Musik von Hans Zimmer.
  • Ein wenig Leben (Hanya Yanagihara): Das nicht gerade leichte Leben von vier Freunden in New York auf knapp 1000 Seiten. Weil ich ja immer mehrere Sachen gleichzeitig lesen, hat mich dieser Roman drei Monate meines Lebens begleitet – und er ist einer der besten, den ich bislang lesen durfte. Wenn aber irgendwo eine Trigger-Warnung angebracht ist, dann hier. Es ist kein Buch, das man mental zuschlagen kann. Die Geschichte wird so authentisch geschildert, dass mich das Schicksal der Hauptfigur hat mich so sehr mitgenommen wie selten etwas anderes.
  • Eine kurze Geschichte der Menschheit (Yuval Noah Harari): Unsere sozialgeschichtliche Entwicklung. Ein Geheimtipp ist es ja nicht gerade, aber ich habe aus diesem Sachbuch sehr viel mitgenommen, weil es um ganz grundsätzliche Fragen unseres Zusammenlebens geht. Der Autor schreibt mit angenehm nüchternem Ton und ganz und gar nicht verschwurbelter Sprache. Ich mag den Ausdruck „Denkanstöße liefern“ nicht besonders, aber genau das hat das Buch bei mir bewirkt.
  • Zoomania (Byron Howard, Rich Moore): Eine Häsin startet ihre Karriere als Polizistin in der Metropole Zoomania. Sie freundet sich mit einem Fuchs an und geht mit ihm zusammen dem mysteriösen Verschwinden verschiedener Tiere nach. Ich finde es fast ein bisschen schade, dass aus diesem Film oft nur die (zweifelsohne tolle) Faultier-Sequenz herausgehoben wird, denn der Film schafft es ein klassisches Disney-Flair zu versprühen (nur ohne Gesangseinlagen), aber gleichzeitig eine moderne, wichtige Thematik zu behandeln. Ohne natürlich alle Animationsfilme der 10er-Jahre gesehen zu haben, behaupte ich mal, dass das einer der allerbesten ist.
  • The End of the Fucking World S2 (Charlie Covell): Alyssa will heiraten, da taucht James wieder auf. Die Geschehnisse aus Staffel 1 haben aber nicht nur psychische Folgen. Auch die zweite Staffel dieser sympathischen und kurzfolgigen Serie (die sich eher wie ein in Teile zerschnittener Film anfühlt) fand ich hervorragend. Größte Stärke sind die toll geschriebenen und in schönem britischem Englisch vorgetragenen Dialoge, aber auch die mäandernde und immer für eine Überraschung gute Handlung hat mich sehr gut unterhalten.
  • Es steht geschrieben – Von der Keilschrift zum Emoji (Vitali Konstantinov): Ein Sachcomic über die Entwicklung der Schrift. In sprachlicher wie kultureller Hinsicht sehr interessant. Zu einem großen Teil werden einfach die Schriftsysteme verschiedene Völker abgeklappert, was vielleicht nicht jeder interessant findet, mich hat es aber fasziniert, weil ich viele der vorgestellten Schriften habe ich überhaupt nicht gekannt habe. Das alles wird schön und unterhaltsam dargestellt.
  • Crazy Stupid Love (Glenn Ficarra, John Requa): Familienvater wird von der Frau verlassen und lässt sich Flirt-Tipps von jüngerem Typ geben. Okay, so zusammengefasst klingt das nicht so toll, aber der Film ist eher ensembleartig mit vielen liebenswerten Figuren, deren Handlungsstränge am Ende sehr schön zusammenlaufen (die Wendung, die da kommt, habe ich nicht vorhergesehen). Auch wenn ich gegen romantische Komödien oft Vorbehalte habe, gibt es großartige, unkonventionelle Vertreter dieses Genres, und das hier ist einer davon.
  • Jojo Rabbit (Taika Waititi): Letzte Monate des 2. Weltkriegs: Begeisterter Hitlerjunge stellt fest, dass seine Mutter ein jüdisches Mädchen im Haus versteckt hält. Davon ist der imaginäre Hitler, mit dem er sich regelmäßig unterhält, weniger begeistert. Das ist so ein Film, den ich aufgrund der Grundidee einfach sehen musste und er hat die Erwartungen tatsächlich erfüllt. Eine schräge Satire, aber halt doch auch eine sinnvolle, zum Teil berührende Geschichte – eine schwierig herzustellende Mischung, hier aber meiner Meinung nach gut gelungen.
  • Drei Männer im Schnee (Erich Kästner): Armer Typ gewinnt Preisausschreiben, fährt in ein Hotel in den Alpen und freundet sich mit reichem Typ (und seinem Butler) an, wobei er nicht weiß, dass der reiche Typ reich ist. Ach, Kästner war schon ein guter. Vielleicht gibt es ein paar Stellen, die ein bisschen „verstaubt“ sind, aber insgesamt ist es einfach eine nette Verwechslungsgeschichte und damit eine wohlige Winterlektüre.
  • Marriage Story (Noah Baumbach): Ein Paar lässt sich scheiden. Geplant war das anfangs noch ohne Anwälte und nicht auf den Rücken des gemeinsamen Sohnes, aber die Wirklichkeit sieht dann anders aus. Nicht gerade ein Feel-Good-Movie, aber ein starkes Charakterdrama. Authentisch geschrieben und überzeugend gespielt von Scarlett Johansson und Adam Driver. Schönes Ende.
  • Knives Out (Rian Johnson): Alter Mann wird an seinem 85. Geburtstag ermordet. Ein cooler Privatdetektiv versucht herauszufinden, welches der anwesenden Familienmitglieder es war. Das war der erste Kinofilm, den ich 2020 gesehen habe, und ich frage mich, ob ich dieses Jahr noch einmal einen solch unvorhersehbaren und brillant geschriebenen Film im Kino anschauen werde. Dieses Agatha-Christie-mäßige Setting mag ich sowieso sehr gerne, aber was Rian Johnson daraus macht, ist absolut genial.
  • Greatest Showman (Michael Gracey): Die historisch wohl nicht ganz so korrekte Filmbiografie über den Zirkuspionier P. T. Barnum. Ok, man muss dem Genre wohl prinzipiell offen gegenüberstehen, aber wenn das der Fall ist, halte ich es für schwer, sich dem Charme dieses Films zu entziehen. Klar, es ist keine komplexe Handlung, aber die klare, einfache, aber dadurch eben nicht minder richtige Botschaft, sein eigenes Ding zu machen, wird durch die ohrwürmigen Lieder überzeugend vermittelt.

2019:

  • Eine erlesene Leiche (Pénélope Bagieu): Eine junge Frau lernt einen merkwürdigen Schriftsteller kennen, der dank ihr eine Schreibblockade überwindet. Aber er hat ein Geheimnis… Ein skurriler, locker erzählter und dazu passend gezeichneter französischer Comic, wie ich ihn einfach mag. Die sowieso schon nicht leicht vorhersehbare Handlung nimmt am Ende noch einmal eine schöne Wendung.
  • Kindeswohl (Ian McEwan): Eine Richterin, die mit privaten Problemen zu kämpfen hat, muss eine wichtige Entscheidung treffen, bei der es um Leben und Tod geht. Ein relativ kurzer, gut geschriebener Roman mit interessantem Thema und einer Hauptfigur, in die man sich auch ohne rechtliches Wissen gut hineinversetzen kann.
  • The Prestige – Meister der Magie (Christopher Nolan): Weil ich diesen Film zuletzt vor etwa zehn Jahren angeschaut habe, wollte ich ihn mir nochmal zu Gemüte führen und er ist in meinem persönlichen Nolan-Ranking eher gestiegen. Schon die Grundsituation ist toll (Christian Bale und Hugh Jackman als verfeindete, sich gegenseitig manipulierende Magier), aber die vielen Wendungen machen diese Story, in der es für mich vorrangig darum geht, was man bereit ist, für seine Kunst zu opfern, wirklich genial. Ein Film, der viel Diskussionsstoff bietet und über den man auch noch ein paar Tage später nachdenkt.
  • Sinn und Sinnlichkeit (Ang Lee): Emma Thompson und Kate Winslet haben auf Jane Austen basierenden Liebeskummer. Hört sich in meiner Formulierung banal an, ist aber ein toller Stoff, weil die beiden Figuren das Rationale (Thompson) und das Emotionale, Impulsive (Winslet) repräsentieren. Eins meiner Lieblingsthemen, von einem guten Ensemble umgesetzt.
  • Man lernt nie aus (Nancy Meyers): Robert De Niro (<– alt) fängt bei Anne Hathaway (<– jung) als Praktikant an. Charmanter Film. Kein Meisterwerk, aber De Niro schaue ich immer gern zu, auch wenn seine Figur ein bisschen zu sehr als Perfekto dargestellt wird. Es kommt leider eher selten vor, dass es in einem Film zwei gleichberechtigte Hauptdarsteller unterschiedlichen Geschlechts gibt, die kein Liebespaar bilden. Und das Ende ist in seiner Botschaft gar nicht mal so banal.
  • Der Verschollene (Franz Kafka): Der junge Karl irrt durch Amerika. Keine Ahnung, warum ich so lange nichts mehr von Kafka gelesen habe. Alles wieder so typisch für ihn. Hach. An mehreren Stellen habe ich mich über die Unentschlossenheit und Gefügigkeit des Protagonisten geärgert, mich ein Stück weit aber doch darin wiedergefunden. Und erneut muss ich feststellen, wie sehr unterschätzt wird, wie viel Humor in Kafkas Werken steckt.
  • Neues vom Wixxer (Cyrill Boss & Philipp Stennert): Der Wixxer ist wieder da und hat eine Todesliste, auf der u. a. auch Inspector Very Long steht. Quatschig. Und in seiner Quatschigkeit konsequenter als der erste Teil, den ich ein paar Monate zuvor angeschaut hatte. Auch hier habe ich vermutlich mehr Anspielungen verstanden als beim erstmaligen Anschauen, aber immer noch viele nicht, weil ich die Wallace-Filme nicht kenne. Schade, dass es keinen dritten Teil gibt.
  • Game Night (John Francis Daley & Jonathan Goldstein): Ein Spieleabend läuft aus dem Ruder. Erinnert im ersten Moment an Finchers „The Game“, ist aber schräger. Bei Weitem nicht jeder Gag zündet, aber ein paar schöne Momente gibt es schon. Highlight ist der von Jessie Plemons gespielte Nachbar, der nicht mitspielen darf. Kann man sich schon mal angucken, hätte aber noch besser sein können.
  • Parasite (Bong Joon-ho): Südkoreanischer Film über eine Familie, die sich bei einer anderen, reicheren Familie Stück für Stück einnistet. Durch und durch erfrischend unkonventionell, immer überraschend, absurd-komisch, aber auch mit ernstem Hintergrund und einer tollen Schlussszene. Solche Filme schaue ich mir leider zu selten an, für Empfehlungen bin ich offen.
  • Moonlight (Barry Jenkins): Film über einen homosexuellen Mann und dessen schwere Kindheit. Die Oscar-Gewinner schaue ich mir meistens relativ zeitnah an, diesen hier habe ich erst spät nachgeholt. Es ist auch ein typischer Oscar-Film. Konventionell also, aber halt auch gut gemacht und ein relevantes Thema. Guter Gewinner, auch wenn ich „La La Land“ noch besser fand.
  • Tyll (Daniel Kehlmann): Da ich gelesen habe, dass Zadie Smith und Daniel Kehlmann befreundet sind, war das eine gute Anschlusslektüre an „Zähne zeigen“. Ein schöner Einblick in die Wirren des 30-jährigen Krieges und in die Denkweise der damaligen Leute (vielleicht ein bisschen zu viel „Schaut mal, wie dumm die damals gedacht haben!“). Kehlmanns episodenhafte Erzählweise kann ich in ihrer Verspieltheit mal wieder nur bewundern, ein bisschen hat mir aber irgendwie der emotionale Anker gefehlt. „Ruhm“ bleibt weiterhin mein liebstes Buch von ihm.
  • Zähne zeigen (Zadie Smith): Handlung schwer zusammenfassbar, es geht vor allem über das Leben zweier Einwandererfamilien in London über mehrere Jahrzehnte hinweg. Keine einfache Lektüre, vielleicht insgesamt auch ein paar Seiten zu lang, wenn man sich aber reingefuchst hat, macht das Buch sehr viel Spaß. Es greift viele wichtige, auch heute noch relevante Themen auf, tut das aber in lockerer Weise. Vor allem der ironisch-verspielte Erzählton hat mir gut gefallen.
  • Die Wand (Marlen Haushofer): Von einer ominösen Wand von der Außenwelt abgeschnitten, muss eine Frau allein in einer Hütte im Wald leben. Und sie tut es, mehrere Jahre lang, mit ein paar Tieren. Beeindruckend. Das Geschilderte ist mehrheitlich für sich genommen nicht sonderlich spannend, trotzdem habe ich mit der Figur mitgefiebert. Toll geschrieben. Einfach, aber sehr deutungsoffen. Macht nachdenklich.
  • Pulp Fiction (Quentin Tarantino): Episodischer Gangsterfilm, braucht man wohl nicht viel zu sagen. Hatte ich wahrscheinlich vor zehn Jahren zuletzt gesehen. Dass die Dialoge gut sind, hatte ich mir gemerkt, die Handlung im Allgemeinen fand ich sogar noch besser und unterhaltsamer, als ich sie in Erinnerung hatte. Hat zurecht Kult-Status.
  • Der große Gatsby (Baz Luhrmann): Die Verfilmung mit DiCarpio, nochmal angeschaut. Ein gut konstruiertes Drama mit opulenten Bildern, das für mich vor allem aufgrund des unzuverlässigen Erzählers, des romantischen, fragilen Protagonisten und der Beziehung dieser beiden Figuren zueinander so interessant ist.
  • The Big Sick (Michael Showalter): In Chicago lebender Stand-Up-Comedian mit pakistanischem Migrationshintergrund lernt eine Frau kennen, die dann aber krank wird und ins Koma fällt. Sehr guter Vertreter der „Romantic Comedy“, beruhend auf Hauptdarsteller Kumail Nanjianis eigener Biographie. Zwar auch tragisch, insgesamt überwiegt aber das Komische in Form von schönen, nie zu kitschig werdenden Dialogen.
  • jerks. Staffel 3 (Christian Ulmen): Auch die dritte Staffel ist gespickt mit Man-kann-kaum-hingucken-Momenten. Ich muss zugeben, dass ich diesen Fremdschäm-Humor mag. Ja, es ist nicht total innovativ, aber ich finde vor allem die teils improvisierten Dialoge erfrischend.
  • Die Geschichte des verlorenen Kindes (Elena Ferrante): Der vierte und letzte Teil der neapolitanischen Saga, in der es um die Freundschaft zweier Frauen geht. Auch dieses Buch konnte ich kaum aus der Hand legen, es ist einfach unfassbar gut geschrieben, fühlt sich authentisch an und ist thematisch vielschichtig. Man sollte sich auf keinen Fall von der „Frauenroman-Aufmachung“ abschrecken lassen.
  • Yesterday (Danny Boyle): Ein Musiker hat einen Unfall und findet sich danach in einer Welt wieder, in der sich niemand an die Beatles erinnern kann. Wollte ich mir unbedingt angucken, weil ich die Grundidee klasse finde und die Beatles mag. Sagen wir es so: Als Beatles-Hommage ist der Film nett, als Mediensatire sogar ziemlich unterhaltsam, als Romanze aber leider eher misslungen. Hätte mehr Potenzial gehabt, dennoch schöner Film.
  • Stranger Things 3 (die Duffer-Brüder): Neue Vorkommnisse in Hawkins. Relativ ähnlich wie die ersten beiden Staffeln, generell kann man der Serie vorwerfen, dass sie zu konventionell ist. Aber sie ist einfach gut gemacht, spannend und unterhaltsam. Ich habe wieder mal festgestellt, wie befriedigend ich es finde, wenn verschiedene Handlungsstränge am Ende zusammenlaufen. Gerade die letzten paar kitschigen Minuten haben mir gefallen.
  • Dame zu Fuchs (David Garnett): Interessanter, märchenhafter Roman, den man schnell gelesen hat. Die Grundsituation (eine Frau verwandelt sich plötzlich in einen Fuchs) erinnert an Kafka, so kafkaesk ist diese relativ überraschungsfrei verlaufende Geschichte aber eigentlich gar nicht. Sie wird nicht aus der Sicht der Frau, sondern ihres Ehemanns erzählt.
  • How To Sell Drugs Online (Fast): Die erste Staffel dieser Netflix-Serie, in dem Jugendliche ins Drogen-Business einsteigen, überzeugt vor allem mit authentischen Dialogen und einer geradlinigen, interessanten Story. Mal gucken, wie es weitergeht.
  • Die Katze auf dem heißen Blechdach (Richard Brooks): Ein seehr dialoglastiger Film, der auch ein bisschen schwer in die Gänge kommt, mir dann zum Ende hin aber doch ganz gut gefallen hat. An manchen Stellen ist das Drama ein bisschen konstruiert. (Wie ich hinterher erfahren hat, liegt das auch daran, dass man im Gegensatz zur Theatervorlage, die ich nicht kenne, homosexuelle Andeutungen entfernt hat.)
  • Ensel & Krete (Walter Moers): Ensel und Krete verirren sich im Großen Wald. Ein Zamonien-Roman, den ich ausgelassen hatte. Ein Fehler! Denn auch wenn „Ensel & Krete“ nicht an Käpt’n Blaubär oder die träumenden Bücher heranreicht, ist dieser sehr unterhaltsam und an einigen Stellen schön meta.
  • Mein Leben (Marcel Reich-Ranicki): Die Autobiografie des „Literaturpapstes“. Ich hatte die Befürchtung, dass da viele Kommentare zu Leuten drinstehen, die ich kaum oder gar nicht kenne. Das gibt es zwar auch, die sind aber nicht so ausschweifend wie befürchtet. Überwiegend ist das Buch sehr flüssig zu lesen, weil es einfach eine interessante Lebensgeschichte ist.
  • Green Book (Peter Farrelly): Afroamerikanischer Pianist (Mahershala Ali) geht in den 60er-Jahren auf Tournee und braucht dafür einen Chauffeur (Viggo Mortensen). Der oscarprämierte Film ist zwar nicht innovativ und verläuft in erwartbaren Bahnen, aber er ist halt doch unterhaltsam und überzeugt mit den guten Darstellern.
  • Was dann nachher so schön fliegt (Hilmar Klute): Junger Dichter, der als Altenpfleger arbeitet, fährt auf ein Treffen für Nachwuchsschriftsteller nach Berlin. Toll geschrieben, nimmt die Literaturszene ein bisschen auf die Schippe. Die beiden Parallelhandlungen werden schön miteinander verwoben. Lesenswert!
  • Schöne Töchter (Flix): Die Sonntagsseiten, die Flix für den Tagesspiegel, mit dem übergeordneten Thema Liebe/Beziehung. Natürlich sind einige Seiten besser, manche schlechter. Nein, eigentlich nur wenige schlechter, das Grundniveau ist sehr hoch, viele haben einen unerwarteten Twist.
  • Eine Woche voller Samstage (Paul Maar): Ein für meine Kindheit prägendes Buch, das ich nun nach wohl annähernd 20 Jahren wieder gelesen habe. Und es ist immer noch klasse, da sehr charmant und mit viel Sprachwitz erzählt. (Der zweite Band „Am Samstag kam das Sams zurück“ ist allerdings noch besser.)
  • Idiocracy (Mike Judge): Typ wacht in der Zukunft auf, in der alle total bescheuert sind. Kulturpessimistischer, gleichzeitig sehr alberner Film. Ich fand ihn zwar nicht ganz so gut, wie die Idee versprochen hat, aber wenn man wie ich diese Art von Humor mag, kann man sich den schon mal anschauen.
  • Alle Toten fliegen hoch (Joachim Meyerhoff): Schüler geht für ein Jahr nach Amerika, erlebt dort so einiges. Klingt jetzt nicht so spannend, vor allem die Anekdoten am Anfang fand ich aber sehr unterhaltsam. Nicht anspruchsvoll, muss es ja auch gar nicht sein, fühlt sich authentisch an. Wer was Gutes und Leichtes sucht, ist da an der passenden Stelle.
  • Unschlagbar (Pascal Jousselin): Ein Superheld, der die Kraft des Comics nutzen kann, indem er zum Beispiel Panelgrenzen überwinden kann. Unfassbar tolle französische Comic-Reihe, welche die Eigenheiten des Mediums sehr schön integriert. Einer der kreativsten Comics, die ich bislang gelesen habe, charmant gezeichnet, würde ich sowohl Kindern als auch erwachsenen Comic-Kennern empfehlen.
  • The Favourite (Giorgios Lanthimos): Unterhaltsamer Film darüber, wie quatschig und intrigant es am englischen Königshof im 17. Jahrhundert zuging. Hatte bei den Oscars gegenüber Green Book (s. o.) das Nachsehen, nur Olivia Colman wurde für ihre Rolle als Queen Anne ausgezeichnet. Auch die anderen Darstellerinnen sind gut, der Humor verbraucht sich ein bisschen im Laufe des Films.
  • Benutz es! (Alex Burkhard): Verschiedene Kurzgeschichten von einem meiner Lieblings-Poetry-Slammer. Vor allem deshalb so unterhaltsam, weil ich mich mit vielen Sachen identifizieren konnte… in der Hinsicht sei die Geschichte „Von Professoren für Professoren“ herausgestellt!
  • Roma (Alfonso Cuarón): Netflix-Film über das Leben einer mexikanischen Haushälterin. Ok, vermutlich kein Film, den ich mir so schnell ein zweites Mal anschauen werde, aber interessant und künstlerisch wertvoll ist er in jedem Fall.
  • Der Junge muss an die frische Luft (Caroline Link): Autobiografisches von Hape Kerkeling. Ich habe das Buch nicht gelesen, weil mich Tragikomödien interessieren und das ist tatsächlich auch ein guter Vertreter dieses Genres.
  • Maertens (Maximilian Hillerzeder): Schön verschrobener Comic über einen Krimi-Fan, der der selbst in einen hineingezogen wird. Voller surrealistischen Ideen, Handlung und Zeichnungen spielen sehr gut zusammen. Vor allem die Burgerladen-Szenen sind toll. Diesen Autor werde ich im Auge behalten!
  • Die Ladenhüterin (Sayaka Murata): Gute, leichte, aber keine seichte Lektüre über eine Frau, die in einem Supermarkt arbeitet. Gerade die Abschluss-Szene hat mir gut gefallen. Aus Japan habe ich bislang eigentlich nur Zeug von Haruki Murakami gelesen, trotzdem oder gerade deshalb kommt mir der Roman typisch japanisch vor. Muss man wohl schon mögen.
  • Tschick (Fatih Akin): Die Verfilmung des Road-Trips von Wolfgang Herrndorf. Nett, unterhaltsam, kurzweilig. Kommt wohl nicht ganz an den Charme des Romans ran (müsste ihn aber nochmal lesen), ich mag aber das Genre einfach.